Selbstführung
Vom Kollegen zur Führungsperson: Warum der Rollenwechsel schwerer ist als gedacht
10. April 2026 · 6 Min. Lesezeit
Bernhard Rohrer
Leadership Coach & Trainer
Du hast die Stelle bekommen. Das Team weiss es. Und plötzlich ist nichts mehr wie vorher — obwohl sich äusserlich kaum etwas verändert hat. Dieselben Kollegen, dasselbe Büro, dieselben Abläufe. Nur deine Rolle hat sich fundamental verschoben.
Der Freundschafts-Fallstrick
Wer aus einem Team heraus eine Führungsrolle übernimmt, trägt alte Beziehungen in eine neue Dynamik. Mit dem engsten Teamkollegen nach wie vor Mittag zu essen — ist das Nähe oder Bevorzugung? Führst du ein schwieriges Gespräch mit jemandem, der dein Freund war, bist du gleichzeitig Führungsperson und Vertrauensperson. Das ist oft zu viel.
Was bleibt, was ändert sich
Die persönliche Wertschätzung bleibt. Was sich ändert: der Informationsfluss, die Entscheidungsmacht, die Rechenschaftspflicht. Du bist nicht mehr «einer von uns» — egal wie informell du auftrittst. Das zu leugnen ist gut gemeint, aber selten hilfreich.
«Respekt als Führungskraft zu haben bedeutet nicht, unnahbar zu sein. Es bedeutet, klar in der Rolle zu sein.»
Neue Beziehungen bewusst gestalten
In den ersten Wochen lohnt es sich, aktiv mit jedem Teammitglied ein Einzelgespräch zu führen — auch mit denjenigen, zu denen du schon eine gute Beziehung hast. So signalisierst du: Ich führe alle gleich. Kein Innen- und kein Aussenkreis.
Unsicherheit zeigen — in Massen
Es ist in Ordnung zu sagen: «Das ist für mich auch neu, ich lerne gerade.» Es ist nicht in Ordnung, bei jeder Entscheidung mit dem Team Konsens zu suchen. Führung bedeutet manchmal: Du entscheidest — auch wenn nicht alle einverstanden sind. Das ist keine Schwäche, das ist Verantwortung.