Kommunikation
Feedback, das wirkt — und nicht verletzt
28. April 2026 · 4 Min. Lesezeit
Bernhard Rohrer
Leadership Coach & Trainer
Feedback gehört zu den mächtigsten Werkzeugen in der Führung — und zu den am häufigsten missverstandenen. «Direkt und klar», sagen die einen. «Mit Wertschätzung», sagen die anderen. Beides stimmt. Und beides reicht nicht.
Das Feedback-Paradox
Zu hartes Feedback verletzt und löst Abwehr aus. Zu weiches Feedback kommt nicht an. Die meisten Führungskräfte pendeln zwischen diesen zwei Polen — abhängig von Tagesform und Beziehungsqualität. Was fehlt, ist ein konsistenter Rahmen.
Situation, Verhalten, Wirkung
Ein einfaches Modell: Beschreibe die konkrete Situation («In der gestrigen Teamsitzung…»), dann das beobachtbare Verhalten («…hast du den Vorschlag von Lisa ohne Begründung abgelehnt»), dann die Wirkung auf dich oder das Team («…das hat die Stimmung merklich gedrückt und Lisa wirkte resigniert»). Keine Interpretation, keine Verallgemeinerung.
Timing ist alles
Feedback nützt am meisten, wenn es nah am Ereignis liegt — nicht drei Wochen später im Jahresgespräch. Gewöhne dir an, kleine Rückmeldungen direkt zu geben. Das macht das Jahresgespräch zu einer Zusammenfassung, nicht zu einer Überraschung.
Positives Feedback: Kein «Nice to have»
Viele Führungskräfte investieren Energie in kritisches Feedback, aber vergessen das positive. Dabei braucht es mindestens drei positive Rückmeldungen, damit eine kritische Rückmeldung psychologisch «landet» — ohne Abwehrreaktion. Nicht als Taktik, sondern weil Anerkennung echte Leistung würdigt.